© 2011 made by CVCswiss Der “Kleine” Es war heiss in diesem Sommer 2003. Die Sonne brannte erbarmungs- los. „Eine Erfrischung ist genau das, was ich brauche“, dachte Frau Mathys und ging an den Kühlschrank, um eine Flasche Orangensaft herauszunehmen. Als sie die Türe öffnete, schwappte ihr eine undefi- nierbare, stinkende Brühe entgegen. „Mein Gott, der Kühlschrank ist ausgestiegen. So eine Sauerei! Also habe ich doch richtig gehört. Ja, der Knall gegen Morgen, das war der Kühlschrank! Woher einen neuen nehmen, das knappe Gehalt reicht so schon nicht!“, sagte sie laut und fing an zu weinen. Als die Kinder am Mittag heimkamen, fragten sie: „Es hat doch noch einen Rest Glacé! Können wir die jetzt haben?“ Frau Mathys meinte: „Der Kühlschrank ist kaputt! Zuerst muss mal ein neuer her!“ „O nein, was machen wir denn ohne?“ „Ja, das habe ich mich auch schon gefragt“, erwiderte Frau Mathys. Am Nachmittag durchforschten alle die Zeitungen nach Kühlschrankinseraten. Sie fanden unter der Rubrik „zu verschenken“ eine Adresse und schnitten die Notiz aus. Als Herr Mathys am Abend nach Hause kam, wurde er freudestrahlend begrüsst. „Wir kriegen einen Kleinen“, riefen Frau und Kinder.   Ob Kurzkrimis, Kurzgeschichten aus dem Alltag, zum Nachdenken, zum Lachen ... ein glücklicher Moment, der die Zeit vergessen lässt. „Was? Um Gottes Willen!“ rief Herr Mathys und putzte sich den Schweiss von der Stirne. „Kühlschrank!“, riefen alle im Chor. Erleichtert meinte er: „Super.“ „Du musst ihn nur an der Ringstrasse abholen. Der Nachbar leiht dir den Leiterwagen.“ „Weniger super, wie klein ist er?“ „Wer?“ „Na, der Kühlschrank.“ „Habe ich nicht gefragt, aber er ist gratis, also nichts wie los. Ringstrasse 20, bei Sutter.“ Die Kinder kamen mit dem Leiterwagen und rannten damit voraus. Herr Mathys lief keuchend hinterher. Als er sich noch keuchend den Schweiss von der Stirne wischte, hatten sie schon bei Sutter geläutet. Dort komplimentierte man Herrn Mathys in den Keller. Am Ende des langen Ganges sah er durch die offenstehende Türe das kleine Schmuckstück, eingemauert in der hintersten und dunkelsten Ecke. Herr Sutter hüstelte und sagte: „Pickel und Schaufel liegen schon bereit.“ Herr Mathys kratzte sich am Hinterkopf „hmmm…“ „Na, los Mann, worauf warten Sie noch?“, sagte Herr Sutter. „Das bisschen Fleissarbeit…“